Max Greger und Hugo Strasser spielen sich im Satchmo’s warm

Was sind das doch für klingende Namen: Max Greger und Hugo Strasser! Ja sicher, wird man denken, früher, aber heute haben sie sich doch längst aus dem Geschäft zurückgezogen. Denkste! Am Wochenende waren sie live zu hören und zu sehen und wärmten sich im Satchmo’s für ihre Tournee auf, die in Kürze in Hamburg beginnt. Es hätten sogar drei Urgesteine des deutschen Jazz sein können, wenn Ambros Seelos nicht aus gesundheitlichen Gründen hätte absagen müssen. Zusammen mit der Band von Max Greger jun. berauschten Papa Max (75) und Hugo Strasser (79) das Publikum im Adlerkeller.

Zwei Stücke hatte die Band - bestehend aus Max Greger jun. (Keybord), Rocky Knauer (Kontrabass) und Max Kinker (Schlagzeug) - vorgelegt, als der Altstar Greger die „Showtreppe“ herunter stieg und von mächtigem Beifall empfangen wurde. „Ich freue mich“, sagte er mit charmantem Lächeln an die Gastgeberin, „endlich wieder bei Yvonne zur Besichtigung freigegeben zu werden“. Die Absage von Seelos kompensierte Greger mit dem Versprechen: „Wir sind dafür heute super drauf!“ und drohte folgerichtig an: „Sie brauchen viel Zeit!“ Die nächsten 3 Stunden nutzten die Musiker, den Wahrheitsgehalt dieser Ankündigung zu beweisen. Galant und gewitzt führten Greger und Strasser durchs Programm, erfüllten in der Pause geduldig Autogrammwünsche und machten klar, dass sie auch musikalisch kaum etwas verlernt haben.

Mit Titeln aus längst vergangenen Tagen, darunter „Tequilla“, „Sentimental journey“ oder „Bei mir bist du scheen“, weckten sie beim Großteil des Publikums alte Erinnerungen und tiefe Emotionen. Kaum ein Lied, das nicht vom Publikum mitgesungen oder mitgesummt wurde, ohne dass Stammtischgeschunkel oder Bierzeltatmosphäre aufkam. Der Abend war zudem ein klarer Werbefeldzug für das Alter - mit praktischen Tipps zum richtigen Umgang mit dem Altwerden. Auf eine kurze Formel gebracht: Steh zu deinen Jahren, kokettiere damit und trag es auf jeden Fall mit Humor.

Atemberaubend

Eine klasse Vorstellung bot zudem Max Kinker am Schlagzeug. Man munkelte gar, der gebürtige Marktoberdorfer soll gedopt gewesen sein, als er zu einem atemberaubenden Solopart ansetzte und mehrere Minuten lang sein Schlagzeug auf Herz und Nieren prüfte. Kein Rhythmuswechsel, kein Tempo und kein Break, das irgendwie außer Kontrolle geraten wäre. Die anderen Bandmitglieder hatten mittlerweile längst beschäftigungslos die kleine Bühne verlassen, als Kinker sein Schlagzeug mit dem Kontrabass tauschte. Wie zwei Lausbuben standen sie da, Max Greger sen. und Max Kinker und machten sich zusammen über das unschuldige Instrument her. Der Kontrabass hatte indes auch zuvor schon unter der fingerfertigen Behandlung von Rocky Knauer erstaunliche Soli hören lassen. Die hervorragend harmonierende Band komplettierte Max Greger jun., „das beste Stück“, das sein Vater nach eigenen Worten je hervorgebracht hat. Nach drei Stunden harter Bühnenarbeit, sehr harter, wie die durchnässten Hemden der Musiker bewiesen, bat Greger sen. im Namen des Ensembles, wem das Konzert nicht gefallen habe, der solle darüber schweigen, wem es gefallen habe, der solle es doch weiter sagen. Und: Schweigen war hier nicht geboten.

01.03.2002 - Michael Bauer

error: Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt!
Share This