Der Saxofon-Star hat auch schon im Kaufbeurer „Uncle Satchmo’s“ gespielt. Das Ehepaar Mergenthaler-Rech bringt hauptsächlich Jazz auf die Kellerbühne Lieder

Kaufbeuren Eigentlich könnte sich Rudi Mergenthaler ja selbst auf die Bühne stellen und seine Späße machen. Dummerweise ist es mit seiner Schlagfertigkeit jedoch vorbei, sobald er ein Mikrofon in der Hand hat. Deswegen überlässt er Bühne und Mikro doch lieber seiner Frau Yvonne Rech - oder Kabarettisten und Musikern. Seit 1997 betreiben die beiden Wirtsleute des Kaufbeurer „Adlerkellers“ im Bierkeller des Gebäudes den Club „Uncle Satchmo’s“, der vor allem Jazzfans aus der Region ein fester Begriff ist.

An den Wänden hängen Schwarzweiß-Plakate von Jazzgrößen wie Duke Ellington, über der Bar prangen zwei E-Gitarren: Wenn abends die Besucher ins „Satchmo’s“ strömen, tun sie es zumeist um der Musik Willen. „Wir sind der einzige kommerzielle Jazzclub in Deutschland“, behauptet Mergenthaler. Er meint damit: Das „Satchmo’s“, mit gerade mal 80 Plätzen doch recht klein, kommt ganz ohne öffentliche Zuschüsse aus. „Wir wollten immer unabhängig sein“, betont die 61-jährige Yvonne Rech.

Doch um das zu bleiben, müssten sie ein Programm bieten, „bei dem für jeden etwas dabei ist“, so der 55-jährige Mergenthaler: Jazz und andere Musik, Kabarett, Themenabende oder die beim Publikum beliebten Travestie-Shows. Mit Jazz allein sei heutzutage kein Schnitt zu machen.

Am Anfang des „Uncle Satchmo’s“ stand Petrus. Denn immer dann, wenn im Adlerkeller-Biergarten - das Restaurant betreiben die beiden schon seit Mitte der 1980er Jahre - gejazzt werden sollte, schickte der Wetterapostel Regen. Irgendwann wurde es Mergenthaler zuviel:- Als neue Indoor-Location hatte er den ungenutzten Bierkeller des eigenen Lokals ausgemacht. In zwei, drei Monaten wäre dieser flott umgebaut. Eine Schnapsidee, fand seine Frau zunächst. Mergenthaler legte trotzdem los. Aus den drei Monaten wurden zwei Jahre. Doch dann war er fertig, der eigene Club.

Großes Selbstbewusstsein

Bereut hat es das Betreiberehepaar nie, an Selbstbewusstsein mangelt es den beiden sowieso nicht. Warum auch: Schon einige Male gelang es der ehemaligen Stewardess und Radiomoderatorin Yvonne Rech, die für das Booking im „Satchmo’s“ zuständig ist, Künstler in das Gewölbe zu locken, die sonst vor weit größerer Kulisse spielen - durch Verhandlungsgeschick und, wenn nötig, auch durch Penetranz. „Yvonne, ich komme nach Kaufbeuren, du gibst sonst ja keine Ruhe“, soll die Sängerin Harriet Lewis einmal sinngemäß gesagt haben. Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Auch bei Max Greger - sowohl dem Junior als auch dem Senior. Der Sohn kommt mehrmals im Jahr, der Vater musiziert auch gerne im Kaufbeurer Jazzkeller. „Yvonne“, habe der Altmeister laut Rech, „seit 40 Jahren hat das Publikum zum ersten Mal wieder meine Schuhbändchen gesehen.“

Mit Greger verbunden ist wohl auch der größte Erfolg des „Uncle Satchmo’s“: Gemeinsam mit seinem Sohn und Hugo Strasser spielte er an drei Tagen nacheinander in Kaufbeuren, dreimal volles Haus - obwohl die Karten für diese außergewöhnliche Veranstaltung mit je 160 Euro geradezu sündhaft teuer waren. „Vor der Tür sind sie für noch mehr Geld gehandelt worden“, berichtet Mergenthaler.

Auf andere Gäste ist man nicht weniger stolz: auf den italienischen Liedermacher Pippo Pollina etwa, der demnächst wiederkommen wird, auf den Beatles-Entdecker Tony Sheridan oder die Gruppe Quadro Nuevo. Doch Mergenthaler und seine Frau haben noch Pläne - und Träume. Einmal Peter Maffay im „Satchmo’s“ und einmal Joe Cocker wünscht er sich. Verwegene Wünsche. Doch bei Max Greger hätte man das ja auch gedacht.

Das „Uncle Satchmo’s“

● Gründung: 1997 im historischen Bierkeller des Restaurants „Adlerkeller“
● Bisherige Gäste: unter anderem Max Greger senior und junior, Tony Sheridan, Benny Bailey, Kiazz Brothers & Cuba Percussion. Christian Überschau
● Aktuelles Programm: No Worries Mate (3. April), Pippo Poilina (5. April), Perfect Soulution (25. April).
● Kontakt und Reservierung: Telefon 08341/2441, E-Mail: satchmos@nullgmx.de

 

Allgäuer Zeitung, 01.04.2009 - Marcus Golling

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