Kulturring: „Mesinke“ spielen im Uncle Satchmo’s Stücke rund um den Schabbat

Kaufbeuren Der Schabbat, der siebte Tag der Woche, der göttlich verordnete Ruhetag war und ist für Juden auf der ganzen Welt ein zentrales, verbindendes Element - abseits aller religiösen und kulturellen Unterschiede. Von dieser großen Bedeutung zeugte auch das Konzert des Ensembles „Mesinke“, das auf Einladung des Kulturring Kaufbeuren im Uncle Satchmo’s spielte. Die sechs Musiker, vornehmlich aus dem nordschwäbischen Raum, schöpfen ambitioniert aus dem großen traditionellen Musikfundus des Judentums. Religiös-Meditatives stand ebenso auf dem Programm wie fröhliche Festtagsweisen, aber auch traurige Klänge, die deutlich machten, dass das jüdische Leben beileibe nicht nur aus Feiertagen bestand.
Vor rund 20 Jahren im Zuge eines spontanen Konzertprojekts entstanden, haben sich die Mitglieder des Ensembles intensiv mit der traditionellen jüdischen Musik beschäftigt und schon mehrere programmatisch ausgerichtete CDs veröffentlicht. Im voll besetzten Uncle Satchmo’s erklangen vor allem Stücke der neuen Scheibe „Shabes iz far ale“, Musik rund um den Schabbat. Die Bandbreite reichte dabei von herzzerreißenden Wehklagen über die große Armut, die eigentlich gar keine Feier des Schabbat zulässt, über die Bitte um Gottes Segen bis hin zu guten Wünschen und vergnügten Tanzmelodien. Nachhaltig beeindruckend war ein „Schlaflied“, das während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg im Ghetto von Wilna (Litauen) entstanden ist: „Dayne shpiltsayg“ kam musikalisch süßlich-harmonisch daher, berichtet aber vom Spielzeug, das zurückbleibt, nachdem die jüdischen Kinder des Lagers deportiert worden sind.
Neben den vielen Facetten des Schabbat zeigte das Programm von „Mesinke“ auch die Vielfalt der jüdischen Musik allgemein auf. Die wohlbekannten, orientalisch anmutenden Klezmer-Läufe wurden ergänzt durch Anklänge an Tango, Jazz und Tanzmusik.
Dass die Stimmungen und Stile nicht nur ins Ohr, sondern auch in Füße und Finger fuhren, dafür sorgten vor allem Alexander Maier mit seinem famosen Klarinettenspiel sowie Ilya Schneyveys am Akkordeon. Der Musiker aus Riga ersetzte den erkrankten Jürgen Groß, fügte sich hervorragend in die Gruppe ein, glänzte immer wieder mit schönen Soli und schelmischen Einlagen. Martin Glogger stand am Bass, Thilo Jörgl wechselte zwischen Gitarre und Schlagzeug, Nicole Hausmann und Erika Spielvogel schließlich übernahmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten die weibüchen Gesangsparts. Doch die Aufgabenteilung bei „Mesinke“ ist nicht so streng. So durften auch Bassist und Schlagzeuger immer wieder ans Mikrofon und zwischendurch verwandelte sich fast die ganze Band in eine große Rhythmusgruppe.
Insgesamt ein musikalischer Feiertag im Uncle Satchmo’s, der vom Publikum mit viel Applaus bedacht wurde. Als Zuhörer, der mit den jüdischen Gebräuchen und Traditionen nicht so vertraut ist, hätte man sich vielleicht ein paar mehr sachlich erläuternde Worte zu dem einen oder anderen Stück gewünscht.

Allgäuer Zeitung, 26.04.2012 - Martin Frei
Foto: Martin Frei

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