Kulturring: „Gingerhog“ gehen im Satchmo’s weit über die irische Musiktradition hinaus

Kaufbeuren Als „Special“ hatte der Kulturring Kaufbeuren die Gruppe „Gingerhog“ gewissermaßen als Allgäuer Regionalmatadoren ins Uncle Satchmo’s eingeladen - und es blieben nur wenige Plätze leer. Zwei Stunden lang entführte das Ensemble mit Eva Langenwalter (Tin Whistle, Harfe, Akkordeon, Gesang), Ralf Strohwasser (Gitarre, Gesang) sowie Cordula Weber (Geige, Gesang) und Joachim Weber (Gitarre, Mandola, Gesang) in das faszinierende irische Klanguniver­sum. Dabei pendelten die Musiker zwischen unbändig frisch und wild über die Rampe kommenden Reels und Jigs, die bisweilen atemberaubend dicht aneinandergereiht wa­ren, und sensibel gestalteten Balladen.

In ihren Moderationen nahmen die Künstler dabei die Themen der meisten irischen Songs durchaus auf die Schippe: Es gehe halt (fast) immer um (mehr oder weniger) unerfüllte Liebe, Trennung, Auswanderung. Doch auch ohne diese ironischen Seitenhiebe auf die Grundstimmung der Lieder, hinter der bekanntlich eine durchaus ernste Landesgeschichte steht, kam nie Langeweile auf. Immer, wenn man sich als Zuhörer an ein bestimmtes „Muster“ gewöhnt hatte, sich eine bestimmte Melodie im Gehirn wohlig einzunisten begann, kam Bewegung in die Sache und die Fuß- oder Fingerspitzen machten sich unter oder auf dem Tisch daran, das neue Metrum zu erfassen. Nicht selten stellte sich dabei zurecht Bedauern bei den Zuhörern ein, aus Platzmangel nicht tanzen zu können. Doch auch beim reinen Zuhören (und bisweilen auch -schauen) kam man voll auf seine Kosten. Zum einen begeisterte bei „Gingerhog“ der große Einfallsreichtum, mit dem die Gruppe das eher schlichte musikalische Grundmaterial reizvoll bearbeitete und dem Publikum ein Feuerwerk rasanter Akzentverschiebungen bot. Zum anderen bewältigten die Musiker die über weite Strecken halsbrecherisch schnellen und virtuosen Passagen für die Flöte und Geige mit scheinbarer Lässigkeit und einem gewissen „Understatement“.

Gerade Cordula Weber an der Geige zog immer wieder die Blicke auf sich, da sich die Spannung und die perfekt pointierten Bogenakzente auch in der Körpersprache der Künstlerin lebhaft widerspiegelten.

Betörend dicht, anrührend und mit leisem Charme kamen auch langsame Balladen wie „Red is the Rose“ über die Rampe. Bereichert wurde das Konzertprogramm au­ßerdem durch eine plattdeutsch­englische Version von „Dat du min Levsten bist“, selbstbewusste Eigenkompositionen wie „Come, come, follow me“ und einige zeitgenössische Akzente. Lucia Buch

Irisches in allen Variationen gab es beim Konzert von „Gingerhog“ im Uncle Satchmo’s.

 

Allgäuer Zeitung, 25.03.2011 - Lucia Buch

Foto: Lucia Buch

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