Konzert „Klezmer Connection“ macht gute Musik und gutes Wetter

Kaufbeuren Klezmer ist eine Gratwanderung. Er fordert bedingungslose Leidenschaft und absolute Disziplin zugleich. Nirgendwo sonst in der Musik ist die Gefahr so groß, ins Unglaubwürdige abzurutschen. Die Verführung lauert hinter jedem Akkord - und die Verantwortung ist immens: Als Hochzeitsmusik ist Klezmer auch eine Wettervorhersage für die nächsten 50 trauten Jahre. Und dieser musikalische Vorgriff auf das künftige Eheleben sollte halbwegs realistisch ausfallen. Also bitte schön nicht zu viel Leid und auf keinen Fall zu viel Glückseligkeit.

Wie routiniert und beeindruckend frisch man diesen Wunsch erfüllen kann, zeigte die „Klezmer Connection“ aus Österreich beim Kulturring-Konzert im Adlerkeller. Das eigentlich Überraschende an der Salzburger Profi-Formation ist aber nicht nur die Besetzung einer (traditionell überwiegend instrumentalen) Klezmer-Band mit einer Sängerin. Auch bei der Interpretation des alten Liedgutes gehen die Musiker ihre eigenen Wege. Beim neuesten Projekt, der im Februar erschienenen CD „Meschuge“, lassen sie den Klezmer auch international auf Reisen gehen. Mit Folgen: Da blitzt schon mal kurz ein deftiger Reggae auf, um gleich wieder von einem jazzig angehauchten Blues abgelöst zu werden. Die von Marion Ellmer auf jiddisch vorgetragenen Lieder lassen aber keinen Zweifel daran, dass es sich beim Klezmer um einen fröhlich-ernsthaften Blick in die Zukunft handelt.

Fazit: Ein feiner, mit viel Applaus bedachter Klezmer-Abend mit einer spieltechnisch überragenden Band, die Klezmer-Musik ins Heute transferiert, ohne ihr die historischen Wurzeln zu nehmen.

 

Allgäuer Zeitung, 12.05.2009 - Otto Fritsch

Foto: Otto Frisch

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